Drei Wochen ohne…

… Ohrenstöpsel. 🙂

15292679_1390088867697751_667542034_oDas ist mir heute bewusst geworden als ich in der Mittagspause in meiner Schreibtischschublade etwas gesucht habe und meine Ohrenstöpsel-Sammlung ganz hinten fand.

Manch einer mag jetzt vielleicht denken: Na und? – Für mich ist dies jedoch ein wichtiger Schritt.

Heute vor 3 Wochen bin ich in ein neues Büro gezogen – mit einem weinenden und einem lachendem Auge. Sicherlich fehlen mir meine alten Kollegen, weil wir uns gut verstanden haben, die Chemie passte einfach. Aber dieses Büro war einfach zu laut für mich. Ich habe es über Jahre immer wieder angemerkt, aber es gab keine Lösung zu meinem Problem. Also waren die Ohrenstöpsel meine einzige Rettung, auch wenn ich damit nur die Lautstärke dämmen und nicht ganz ausblenden konnte. Die Folge: Nach der Arbeit reizüberflutet und erschöpft. Es galt dann zunächst die Flucht in die Stille. Keine Musik, kein TV, notfalls auch zu Hause Ohrenstöpsel, bis ich merkte, dass es so langsam wieder ging.

Seit meinen Umzug höre ich bereits auf der Rückfahrt im Auto Musik. Ich habe mehr Energie und kann direkt nach der Arbeit etwas unternehmen ohne erst eine „Pause“ machen zu müssen. Das hab ich in den letzten Wochen auch gleich ein wenig übertrieben und mir zu viele Punkte auf die ToDo-Liste gepackt, aber ich bin gerade so glücklich über die zurückgewonnene Energie. Das wird sich schon wieder einspielen. 😉

Und es ist so schön, dass auch andere die Veränderung an mir bemerken und mich auf dem Büroflur darauf ansprechen – auch wenn die meisten sich das mit der Reizüberflutung durch die Lautstärke im Büro nicht wirklich vorstellen konnten.

„Dann musst du das halt ausblenden“ oder „… auf Durchzug stellen“ habe ich unzählige Male gehört. Oder aber man war der Meinung es könne gar nicht so schlimm sein, ich steigere mich zu sehr darein und dadurch würde es erst schlimm.  Ich denke, keiner kann für jemand anderen sagen wie dieser empfindet oder empfinden soll. Jetzt sehen sie jedoch, was alleine der Wechsel der Arbeitsbedingungen für eine Auswirkung auf mich hatte.

Als hochsensible Person nehme ich einfach wesentlich mehr wahr und dadurch bin ich viel schneller überreizt. Und im Berufsleben hat man auf die Arbeitsbedingungen nicht wirklich immer große Einflussmöglichkeiten… außer vielleicht mit Hilfsmitteln wie den Ohrenstöpseln. Daher bin ich so dankbar und glücklich für diesen Wechsel und die Chance die mir mein Chef gegeben hat. Ich bin nicht nur umgezogen, sondern werde in Zukunft den Bereich meiner Tätigkeiten, der mir am meisten liegt und zusagt, ausbauen und nur noch dort tätig sein.

Privat ist das Ganze ein wenig leichter. Als ich mich anfangs mit meiner Hochsensibilität auseinander gesetzt habe, habe ich diese eher als Fluch, als eine Art Krankheit gesehen. Ich habe mich zunächst wenigen Menschen anvertraut und einfach auf ihr Verständnis gehofft und zum Teil auch erwartet, dass sie mir helfen und mich unterstützen wenn ich mit Bedingungen in meinem Umfeld nicht klar kam (wenn es sich um Dinge handelte, die man lösen kann). Diese Unterstützung habe ich leider nicht immer erfahren und ich musste zum Teil Dinge aufgeben, die mir sehr wichtig waren, mir aber gesundheitlich nicht gut taten.

Heute weiß ich, dass keiner auf mich Rücksicht nehmen muss. Dies kann nur ich alleine tun. Wenn es Situationen gibt die mich überfordern, kann ich um Hilfe bitten. Wird mir diese jedoch verwehrt, dann muss ich eigenverantwortlich handeln und Dinge aufgeben/sein lassen, die mir nicht gut tun.

So habe ich zum Beispiel vor 1,5 Jahren etwas aufgeben müssen, in das ich viele Jahre sehr viel Liebe und Herzblut gesteckt habe. Aber die Bedingungen taten mir nicht mehr gut und haben mir zu viel Energie geraubt. Aus heutiger Sicht war es die beste Entscheidung die ich treffen konnte, denn mit dieser Änderung in meinem Leben, habe ich eine kleine Lawine losgetreten. Zunächst fiel ich in ein tiefes Loch, aber ich fing ganz langsam an daraus zu krabbeln. Durch die zurückgewonnene Energie konnte ich immer mehr Dinge machen die mir gut tun und die mir noch mehr Energie zurück gaben. Diese Entscheidung hat enorm dazu beigetragen, dass es mir heute so gut geht.

Und die ohrenstöpselfreie Arbeitszeit ist ein weiterer Meilenstein auf meinem Weg. 🙂

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