Dein Weg – Deine Erfahrung

Heute hatte ich einen freien Tag und habe mich spontan mit einer Freundin zum Eis essen verabredet. Das war bei dem Wetter genau richtig.  🙂

Zwischen Kiwi-Becher und Spaghetti-Eis hieß es plötzlich: „Ich brauche Deine Hilfe!“.

Vorher noch herzhaft gelacht, wurde die Stimmung auf einmal ernst und ein wenig bedrückend.

Meine immer lebensfrohe Freundin, die augenscheinlich so schnell nichts umhaut, wirkte für einen kleinen Moment zerbrechlich und Tränen stiegen in ihr auf.

Als sie die Tränen bemerkte, schluckte sie einmal und setzte eine Maske auf, damit keiner sah wie es wirklich in ihr aussieht. Sie wirkte tough, aber nicht mehr authentisch.

Sie erzählte mir von ihrer Depression, die sie seit gut 2 Jahren immer mal wieder einholt. Die ihr die Lebensfreude nimmt. Die letzten Wochen wären ganz schlimm gewesen.

Sie hat Angst ihr Leben nicht mehr in den Griff zu bekommen, völlig unterzugehen in den täglichen Anforderungen.

Immer wieder kam ein „Ich MUSS stark sein“, „Ich MUSS kämpfen“, „Ich darf nicht aufgeben“, „Es darf keiner mitgekommen, dass es mir schlecht geht!“

Sie wollte von mir die schnellste und beste Lösung um da kurzfristig wieder rauszukommen. Tabletten? Coachings? Heilmethoden?

Diese Lösung konnte ich ihr leider nicht geben. Zunächst einmal habe ich ihr gesagt, dass es nichts bringt sich weiter zu verstellen. Immer die Starke zu spielen, damit keiner sieht wie schlecht es ihr geht. Dadurch baut sie Druck auf und dieser ist in der Situation kontraproduktiv. Man darf ruhig zeigen wie es einem geht.


Zeig mal deine Wunde. Wer seine Wunde zeigt, wird geheilt.
Wer sie verbirgt, wird nicht geheilt.

– Joseph Beuys – 


Ich habe in der Vergangenheit schon ein paar Mal gespürt, dass es ihr nicht gut geht. Auf mein Nachfragen kam aber immer ein „Alles bestens!“. Es wirkte aber damals schon nicht ehrlich, aber ich wollte nicht weiter nachbohren.

Sie fragte mich: „Was hast Du gemacht, dass es Dir heute so viel besser geht?“

„Vieles!“

„Hm, das bringt mich jetzt nicht unbedingt weiter!“

„Ich habe vieles probiert und viel gelesen. Man könnte auch sagen ich habe mich verzettelt im Angebot der Möglichkeiten… und auch ein wenig verloren!“

„Und was davon hat Dir am meisten geholfen? Dann probiere ich das aus!“

„Jeder Mensch ist unterschiedlich. Das, was für mich richtig ist, ist noch lange nicht für Dich richtig. Finde Deinen eigenen Weg. Mache Deinen eigenen Erfahrungen. Vielleicht wirst Du auch scheitern und einen Umweg machen. Aber ganz wichtig in dieser Situation ist, dass Du annimmst was ist. Das Du Dich und Deine Situation akzeptierst. Hör auf zu kämpfen gegen die Depression und vor allem gegen Dich. Alles darf sein. Auch Tränen, Wut, Enttäuschung und Angst. Sprich darüber und unterdrücke nichts. Du kannst immer zu mir kommen, ich höre immer zu und gebe auch gerne Ratschläge, aber DIE Lösung habe ich einfach nicht.“

 „Ich danke Dir. Ich weiß nicht wem ich mich sonst öffnen soll. Mir ist das alles so unangenehm!“.

 „Das braucht es nicht zu sein. Es haben viele Menschen ähnliche Probleme, mehr als wir denken. Fang an Dir etwas Gutes zu tun. Du hast doch früher als Jugendliche viel gemalt. Das hat dir doch immer Spaß gemacht. Vielleicht fängst Du einfach wieder damit an. Oder tanzen, das war doch auch immer Dein Ding. Mach Dinge die positive Gefühle in die auslösen, die Dir gut tun… dann kommt die Lebensfreude schnell wieder.“

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